Zoo Augsburg
9.2026 Online ansehen
Vipera Berus

Liebe Freundinnen und Freunde des Augsburger Zoos,

ich freue mich immer, wenn man Nachrichten liest, die zeigen, dass wir in der Gemeinschaft etwas für den Schutz der Arten erreichen kann. Wir arbeiten schon länger sehr intensiv mit der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) zusammen und unterstützen vor allem die Arbeit der Prigen Conservation Breeding Ark (PCBA) auf Java. Ein aktueller Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Sumatra-Streifenkaninchen (Nesolagus netscheri) das bis heute kaum erforscht ist. Auch die Naturschutzorganisation hat so wenige Daten über die Art, dass das Sumatra-Streifenkaninchen nicht in eine Gefährdungsstufe eingeordnet wird, sondern als „Data Deficient“ eingestuft ist. Das macht man, wenn es über eine Art so wenige Informationen gibt, dass eine Einstufung nicht möglich ist. Und im August gelang ein wichtiger Durchbruch, denn die PCBA konnte weltweit zum ersten Mal ein Sumatra-Streifenkaninchen in menschlicher Obhut erfolgreich aufgezogen werden. Solche Ziele erreicht man vor allem dann, wenn verschiedene Organisationen gut zusammenarbeiten.

Der One-Plan-Approach

Ein Instrument für diese Zusammenarbeit ist der so genannte One-Plan-Approach (OPA) der Naturschutzorganisation IUCN. Er ist im Artenschutz ein Ansatz, bei dem alle relevanten Akteure gemeinsam einen umfassenden Schutzplan für eine Art entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Zoos, Aquarien, Naturschutzorganisationen, Wissenschaftler, Privathalter und lokale Akteure. Ziel ist es, Maßnahmen im natürlichen Lebensraum (in-situ) und außerhalb davon (ex-situ) gemeinsam zu betrachten, miteinander zu verbinden, um dadurch die Art auf allen Ebenen zu stützen. Dadurch soll erreicht werden, dass Populationen ganzheitlich geschützt und beispielsweise Zuchtprogramme in Zoos gezielt mit Schutzmaßnahmen in der Natur verknüpft werden. Der OPA soll so sicherstellen, dass alle Beteiligten an einem gemeinsamen, wissenschaftlich fundierten Erhaltungsplan arbeiten.

Das Wechselkröten Projekt

Ein solches Projekt sind „unsere“ Wechselkröten, die der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) mit uns auswildert. Nach einer Rettungsaktion von Kaulquappen in einem Kleinstgewässer, das vor der Austrocknung stand, wurden die Kaulquappen im Augsburger Zoo großgezogen, der Lebensraum in einem Schutzgebiet verbessert und nun wurden die Hüpferlinge ausgewildert. Für alle Beteiligten ein großer Erfolg.

Ihr
Philipp Wagner

Sumatra Streifenkaninchen PCBA

Das Sumatra-Streifenkaninchen in der PCBA. Photo: PCBA

Artenschutz

Auswilderung Wechselkröte (Bufotes viridis)

Nachdem sich alle Kaulquappen zu Hüpferlingen entwickelt haben, konnten wir zusammen mit dem LBV Augsburg rund 170 Wechselkröten in einem LBV-Schutzgebiet auswildern. Der LBV hat dort vorher neue Verstecke angelegt und den Lebensraum so angepasst, dass möglichst viele der Kröten überleben werden. Denn, die Wechselkröte ist zwar als global Art nicht bedroht, kommt in Bayern immer stärker unter Druck und ist in vielen Regionen lokal schon ausgestorben. Und das hat auch etwas mit der zunehmenden Dürre zu tun. Wechselkröten laichen in Kleinstgewässer ab die regelmäßig austrocknen. Das hat den Vorteil, dass in solchen Gewässern kaum Beutegreifer vorkommen. Der Nachteil ist aber, dass sie schnell austrocknen oder bei wenig Niederschlag erst gar nicht entstehen. Eigentlich ist die Wechselkröte daran angepasst. Wechselkröten können recht alt werden, in der Natur ca. zehn Jahre, in der Haltung sind sogar 28 Jahre dokumentiert. Einzelne Jahre ohne Laichgewässer können die Kröten also überbrücken. Die Kaulquappen entwickeln sich zudem schneller als zum Beispiel bei der Erdkröte. Dadurch sind die Kaulquappen schneller umgewandelt als die Gewässer austrocknen. Aber unsere Natur ändert sich gerade und die Anpassungen funktionieren nicht mehr. Und hier kommt der ex-situ Artenschutz ins Spiel, denn die Wechselkröte wird auf menschliche Hilfe angewiesen sein. Der LBV wird es schaffen sein Schutzgebiet so zu gestalten, dass die Wechselkröte sich dort wieder entwickeln kann. Und der Zoo verschafft dafür die Zeit, in dem wir die Population über eine höhere Zahl an Hüpferlingen oder durch Nachzuchten stark halten und wieder aufbauen. Nicht nur für die Wechselkröte ist das eine sehr erfolgreiche Kooperation.

Hüpferlinge Der Wechselkröten. Photo Peter Bretschneider

Hüpferlinge der Wechselkröte die im Schutzgebiet ausgewildert wurden. Photo: Peter Bretschneider

Neues EEP

Nach dem EEP für den Magellanpinguin, das von Thomas Lipp koordiniert wird, koordiniert der Zoologische Garten Augsburg jetzt ein zweites Erhaltungszuchtprogramm (EEP) der EAZA, das von Philipp Wagner koordiniert wird. Das neue EEP umfasst zwei Arten: die Vietnamesische Dreistreifen-Scharnierschildkröte Cuora cyclornata und die Chinesische Dreistreifen-Scharnierschildkröte Cuora trifasciata. Beide Arten sind nicht nur von der IUCN als kritisch von der Ausrottung bedroht eingestuft, sondern zählen auch zu den am stärksten bedrohten Schildkrötenarten überhaupt.

Bild 3 Cuora Trifasciata

Chinesische Dreistreifen-Scharnierschildkröte. Photo: Christian Langner.

Bildung

Elefanten-Tag im Zoo Augsburg

Am 12.8. war der Welt-Elefanten-Tag, den wir auch im Augsburger Zoo feierten. Ein besonderes Highlight waren Führungen hinter die Kulissen, bei denen etwa 250 Besucher/-innen einiges über die Pflege von Assam und Ta Wan erfahren und selbst einmal Fuß in das Gehege setzen durften. Auch Elefantenduschen, Tierpflegersprechstunde, Elefantenbasteln und Vieles mehr fanden großen Anklang.

Elefantentag im Augsburger Zoo. Photo: Maximilian Fuchs

Elefantentag im Zoo Augsburg. Bild: Zoo Augsburg

Ferienprogramm

Im August war für Kinder und Jugendliche wieder ein abwechslungsreiches Ferienprogramm geboten. Für uns neu war eine gemeinsame Ferienwoche mit dem Umweltbildungszentrum, die sofort ausgebucht war und sowohl bei Kindern als auch bei Betreuerinnen und Betreuern für viel Freude sorgte. Auch ein Filmworkshop fand wieder statt: Der entstandene Film "Schuppig, glitschig, trotzdem toll" wird demnächst auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht (https://www.youtube.com/@zooaugsburg4629). Um welche Tiere es wohl geht...?

Der schuppige Teil des Filmworkshops im Augsburger Zoo. Photo: Maximilian Fuchs

Der schuppige Teil des Filmworkshops im Augsburger Zoo. Photo: Maximilian Fuchs

Tag des Feuersalamanders

Am 03. September ist Tag des Feuersalamanders!

Der Feuersalamander ist mit seiner besonderen schwarz-gelben Färbung ein echter Charakter unserer heimischen Wälder. Doch heute braucht es sehr viel Glück, ihm in der Natur zu begegnen, denn er – und viele weitere Amphibien – werden immer seltener. Der Verlust von Lebensräumen, der Rückgang geeigneter Laichgewässer (z.B. auch durch Austrocknung), intensive Landnutzung, Schadstoffeinträge und der Klimawandel stellen Amphibien vor große Herausforderungen. Hinzu kommen Krankheiten wie die durch den Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) verursachte Salamander-Chytridiomykose – auch „Salamanderfresser“ genannt. Diese stellt insbesondere für den Feuersalamander eine erhebliche Bedrohung dar. 

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung: Wir können etwas tun!

Am Tag des Feuersalamanders möchten wir euch mit unserem Infostand in die faszinierende Welt unserer heimischen Amphibien mitnehmen. Kommt zwischen 10:00 und 17:00 am Elefantenhaus vorbei und erfahrt mehr über diese besonderen Tiere, ihre Lebensräume und darüber, wie wir gemeinsam zu ihrem Schutz beitragen können. 

Feuersalamander. Photo: Maximilian Fuchs

Feuersalamander. Photo: Maximilian Fuchs

Erholung

WB-Himalayaland

Mittlerweile kann man sehr gut erahnen, wie das WB-Himalayaland am Ende aussehen wird. Die Gebäude stehen, die Pflanzen werden gesetzt und der Kunstfels trocknet. Auch die spätere Wegeführung ist in vielen Bereichen schon sichtbar. Allerdings wird es bis zur Eröffnung noch etwas dauern. Es sollen ja nicht nur die Arbeiten abgeschlossen sein, sondern auch die Pflanzen sollen gut anwachsen und die Tiere später ausreichend Zeit haben sich an die neuen Anlagen zu gewöhnen. Eröffnen werden wir diese neue Anlage also erst im nächsten Jahr.

Baustelle des WB-Himalayaland. Photo Philipp Wagner

Baustelle des WB-Himalayaland. Photo Philipp Wagner

Tierbestand

Neue Tierart: Kings Felsenwaran (Varanus kingorum)

Im Augsburger Zoo wird demnächst eine neue Tierart zu sehen sein, denn in das Elefantenhaus werden Kings Felsenwarane einziehen. Die Tiere stammen aus einer Beschlagnahme, sind aber nur relativ selten in der Haltung. Derzeit gibt es nur einen Zoo in Darwin, Australien, der die Art hält.  

Varanus kingorum, auch Königswaran oder King’s Zwergwaran genannt, ist eine derzeit unbedrohte Waranart aus dem Nordwesten Australiens, insbesondere aus der Kimberley-Region. Mit einer Gesamtlänge von etwa 30 bis 40 Zentimetern gehört er zu den kleinen Vertretern der Warane. Sein natürlicher Lebensraum besteht vor allem aus trockenen Savannen und felsigen Gebieten, in denen er Felsspalten als Verstecke nutzt. Die tagaktiven Tiere sind sehr beweglich und kletterfreudig. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und anderen Wirbellosen, gelegentlich werden auch kleine Wirbeltiere erbeutet. Für die Art ist das ein Glück, denn viele der größeren Waran-Arten sind in Australien durch die Agakröte bedroht, deren Gift die Warane tötet, wenn sie sie erbeuten. 

Kings Felsenwaran. Photo: Philipp Wagner

Kings Felsenwaran. Photo: Philipp Wagner

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Wer Tiere nicht nur versorgen, sondern den Zoo aktiv mitgestalten, Artenschutzprojekte unterstützen und Wissen an Besucherinnen und Besucher weitergeben möchte, findet hier eine abwechslungsreiche Aufgabe in einem engagierten Team.

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Email: info@zoo-augsburg.de

Tel. 0821 567149-0
Fax. 0821 567149-13

Geschäftsführung:
Dr. Philipp Wagner

Registergericht: Amtsgericht Augsburg HRB 6066