Zoo Augsburg
6.2026 Online ansehen
Vipera Berus

Liebe Freundinnen und Freunde des Augsburger Zoos,

nun ist es tatsächlich auch bei mir so weit, dies ist mein erster Newsletter in meiner neuen Rolle als Zoodirektor. Auch mir macht es eine große Freude Sie über die Ereignisse im Zoologischen Garten Augsburg zu informieren und ich hoffe, dass Sie den gleichen Spaß beim Lesen haben werden wie bei den Newslettern von meiner Vorgängerin Barbara Jantschke.

Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Philipp Wagner, ich bin promovierter Zoologie, beschäftige mich wissenschaftlich in über 180 Publikationen mit der Artenvielfalt der Amphibien und Reptilien und wurde dazu am Zoologischen Forschungsmuseum A. Koenig in Bonn ausgebildet. Forschungsreisen und Lehraufträge führten mich nach Afrika, den Nahen Osten, Zentralasien, Afghanistan, Südostasien und die USA. Nach dieser Zeit bin ich in den Naturschutz gewechselt und war Geschäftsstellenleiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberfranken des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayreuth. Seit Mitte 2017 war ich dann als Kurator für Artenschutz & Forschung am Allwetterzoo in Münster und habe dort die Artenschutzprojekte des Zoos begleitet, Forschungsschwerpunkte aufgebaut und den ArtenschutzCampus entwickelt. Schwerpunkte waren das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity in Kambodscha und das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz im Allwetterzoo. Beides Artenschutzzentren des Allwetterzoo mit einem Schwerpunkt auf den Schildkröten, eine der am stärksten vom anthropogenen Artensterben betroffenen Tiergruppen.

Und dieses Thema ist es auch, dass mich seit vielen Jahren umtreibt: das anthropogene Artensterben. Als Mitglied diverser Spezialistengruppen der IUCN (International Union for Conservation of Nature), bin ich an der Erstellung der globalen Roten Listen beteiligt. Und diese Listen werden auf allen Ebenen immer länger und Arten durch Lebensraumverlust, Übernutzung, den illegalen Handel und durch invasive Arten immer stärker bedroht. Am stärksten betroffen sind die Arten der Süßgewässer, die Schildkröten, die Krokodile und die Amphibien. Und immer öfter empfehlen die Spezialisten der IUCN den Aufbau so genannter Reservepopulationen, um Arten zu schützen und zu unterstützen. Und das betrifft bedrohte aber auch global unbedrohte Arten. Ein schönes Beispiel ist der Gänsegeier. Durch sein riesiges Verbreitungsgebiet gilt er als nicht bedroht, war aber in Europa weitestgehend verschwunden. Heute gibt es, vor allem in Frankreich, wieder gute Populationen und erst kürzlich wurden wieder Gänsegeier in Deutschland gesichtet. Diese Entwicklung war nur möglich, weil es Reservepopulationen der Zoos gab, aus denen heraus Tiere ausgewildert werden konnten. Beim Feuersalamander passiert gerade das Gegenteil. Da wir noch nicht wissen, wie wir die Art, die durch die eingeschleppte Tierseuche Bsal bedroht ist, im Lebensraum schützen können, werden gerade Tiere der Natur entnommen und Reservepopulationen in Zoos aufgebaut. Ähnliche Probleme haben aber auch die Pustelschweine und der Evers Reisfisch in Asien oder die Spaltenschildkröte in Afrika. Man sieht: Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustüre, aber er endet dort nicht.

Daher können Zoos im Artenschutz eine entscheidende Rolle spielen, wenn sie sich dazu bekennen. Auch die IUCN sieht die Zoos als Teil des internationalen Artenschutzes und hat zudem den „One Plan Approach“ entwickelt, ein Konzept, dass bei der Erarbeitung von Artenschutzmaßnahmen die Reservepopulationen der Zoos mit einbezieht und man quasi an einem Strang zieht.

Man sieht also: nicht nur wir Zoos sehen uns als Teil des Artenschutzes, sondern es wird auch verlangt, dass wir diese Rolle einnehmen. Der Augsburger Zoo ist seit vielen Jahren im Artenschutz aktiv. Auf diesem Fundament will ich in den nächsten Jahren aufbauen und die Rolle unseres Zoos stärken. Auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, wie dem Landschaftspflegeverband und den Naturschutzverbänden, um Arten wie Kreuzotter, Grasfrosch, Wechselkröte, Alpen- und Feuersalamander, die Fledermäuse und Wiesenbrüter zu unterstützen. Und auch hier gilt unter anderem die Devise: „Keep the common species common“, also Arten schützen, bevor sie bedroht werden.

Ihr
Philipp Wagner

Artenschutz

Seit einigen Jahren unterstützt der Zoologische Garten Augsburg die lokale Organisation Fledermausschutz Augsburg. Daher ist es uns wichtig auch an dieser Stelle auf die Aktivitäten des Vereins hinzuweisen.

Unterirdische Winterquartiere – ein wichtiger Rückzugsort für Fledermäuse

All unsere heimischen Fledermäuse halten im Winter Winterschlaf, um die kalten Temperaturen und die damit verbundene Nahrungsknappheit zu überstehen. Viele unserer heimischen Fledermausarten sind dafür im Winter auf frostfreie und ruhige Schlafplätze angewiesen. Unterirdische Objekte wie alte Keller, Gewölbe, Stollen oder Bunker bieten dafür ideale Bedingungen: konstante Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und einen Schutz vor Störungen. Solche Quartiere sind für das Überleben der Fledermäuse während des Winterschlafs entscheidend.

Der Fledermausschutz Augsburg startet nun, gefördert durch den Naturschutzfonds des Augsburger Zoos, ein neues Projekt, um genau solche geeigneten Winterquartiere in Augsburg (Stadt und Landkreis) zu finden. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sollen bestehende Keller, Bunker oder ähnliche unterirdische Räume erfasst und wo möglich fledermausfreundlich zugänglich gemacht werden. In der ersten Projektphase geht es zunächst darum, zu sammeln, wo in Augsburg Stadt und Land überhaupt solche Objekte existieren.

Sie kennen ein solches Objekt oder besitzen selbst einen möglicherweise geeigneten Keller? Dann melden Sie sich gerne beim Fledermausschutz Augsburg, winterquartiere@fledermausschutz-augsburg.de , und helfen Sie mit, wertvolle Winterquartiere für diese faszinierenden Tiere zu sichern!

Noch mehr Infos zum Projekt gibt es auf der Projektseite des Fledermausschutzes Augsburg e.V.

05 2026 Bild Fledermausquartier

Fledermausquartier - Fledermausschutz Augsburg e. V.

VdZ-AG Artenschutz in Schwerin

Anfang Mai tagte in Schwerin die AG Artenschutz des Verbands der zoologischen Gärten (VdZ). Die AG ist ein Zusammenschluss der für Artenschutz verantwortlichen Mitarbeitenden der VdZ-Zoos, der Stiftung Artenschutz, Vertretern der Organisation Citizen Conservation und in Schwerin zum ersten Mal mit Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Tierparkgesellschaft (DTG). Mit Laura Japke und Philipp Wagner waren auch zwei Vertreter des Zoologischen Garten Augsburg dabei, wenn dort über gemeinsame Artenschutzprojekte der Zoos diskutiert wurde. Das Hauptthema waren die „Arten nationaler Verantwortung“ in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Gerade im lokalen Artenschutz spielen diese Arten eine besondere Rolle, auch wenn sie nicht bedroht sind. Die einzelnen Länder haben aber für diese Arten eine besondere Verantwortung, weil es sich oftmals um so genannte Endemiten handelt, also Arten die zum Beispiel nur in Deutschland vorkommen, oder Arten deren Verbreitungsschwerpunkt in dem entsprechenden Land liegt. Ein Beispiel ist zum Beispiel der Feuersalamander. Über diese Arten hielt Philipp Wagner einen Impulsvortrag, um das Bewusstsein für diese Arten in den Projekten zu stärken.

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AG Artenschutz des Verbands der zoologischen Gärten - Zoo Schwerin

EAZA Conservation Forum in Kronberg

Auch im Mai fand das Artenschutzforum des Europäischen Zooverbands (EAZA) in Kronberg bei Frankfurt statt. Hier trafen sich die Artenschutzexpertinnen und -experten der europäischen Zoos und diskutierten zusammen mit Vertretern unterschiedlichster Organisationen über gemeinsame Projekte. Auch hier nahmen Laura Japke und Philipp Wagner vom Zoologischen Garten Augsburg teil. Sie konnten sich zum Beispiel mit Anne Dohrmann von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt über die Auswilderung der Przewalski-Pferde im Altyn Dala Projekt (Kasachstan) austauschen, dass der Zoo Augsburg seit einigen Jahren finanziell unterstützt.

Przewalski Pferde Daniel Rosengren FZS

Przewalski-Pferde - Daniel Rosengren/FZS

Bildung

Tag des Pinguins

Am 25. April feierten wir zum dritten Mal den Welt-Pinguin-Tag, der mit über 5000 Besucherinnen und Besuchern sehr gut besucht war. Neben allerlei Informationen und Spielen zu den Besonderheiten der sympathischen Vögel war es uns besonders wichtig, auf die Gefährdungsursachen und Schutzmöglichkeiten für Pinguine einzugehen. So wurde ausführlich über das von uns unterstützte Magellanpinguin-Projekt in Argentinien informiert. Unterstützung bekamen wir vom Forum „Plastikfreies Augsburg“. Ein Stand, an dem Pinguine gebastelt und T-Shirts gestaltet werden konnten, rundete die Aktion ab.

5 2026 Bild Pinguintag 2 Zoo Augsburg
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Pinguintag - Zoo Augsburg

Tag der Artenvielfalt

Am 23. Mai lud der Zoologische Garten Augsburg wieder zum Tag der Artenvielfalt ein. Wir danken den vielen Organisationen und Vereinen, die sich auf dem Tag im Zoo präsentiert haben, denn dadurch wird der Tag vielfältig und informativ. Besucherinnen und Besucher konnten sich zum Beispiel über die Arbeit des Landesbund für Vogel- und Naturschutz informieren, der Zoll zeigte, was es für makabre Souvenirs gibt, die Arten bedrohen, der Bund Naturschutz informierte über die gefährdeten Wiesenbrüter und der Pilzverein zeigte eine Artengruppe, die viel zu oft übersehen wird: die faszinierende Welt der Pilze. Falls Sie nun denken Sie hätten etwas verpasst, dann kann ich das nur bestätigen. Aber auch im nächsten Jahr wird es wieder den Tag der Artenvielfalt geben.

Tag Der Artenvielfalt 2026 001
Tag Der Artenvielfalt 2026 002
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Tag der Artenvielfalt - Zoo Augsburg

Forschung

Aus dem Ammertal südlich von Augsburg wird der in Deutschland erste dokumentierte Fund einer Erdkröte mit roten, symmetrischen und kontrastreichen Streifen beschrieben. Nachweise solch ungewöhnlich gefärbter Erdkröten gibt es zwar auch schon aus anderen Ländern. Insgesamt sind die Farbvarianten bisher aber wenig beschrieben.

Sander, A., J. Beckmann & P. Wagner (2026): First record of symmetrical red stripes on a Common European Toad, Bufo bufo (Linnaeus, 1758), from Germany. – Herpetology Notes 19: 115–117.

5 2026 Bild Erdkröte A. Sander

Erdkröte - A. Sander

Erholung

Eine neue Artenschutz-Tour für unsere Besucherinnen und Besucher

Um das Thema Artenschutz beim nächsten Zoobesuch oder auch bequem von zuhause aus noch besser erlebbar zu machen, haben wir eine digitale Tour entwickelt. Mit Videos, Audios und Fotos können sich Interessierte darüber informieren, was der Augsburger Artenschutz-Euro für positive Auswirkungen auf die Magellanpinguine in Argentinien, die Elefanten in Malaysia oder die Hornraben in Südafrika hat. Die Tour ist auf der App „Weguide“ zu finden und kann am Smartphone mit dem folgenden Link oder QR-Code heruntergeladen werden:

https://app.weguide.app/links/Mjk2MDkyOTM3

Weguide Qr
SuedlicherHornrabe TJ

Hornrabe - Tina John

UNESCO-Führung

Am Sonntag, 7. Juni 2026 von 14 bis 15:30 Uhr, findet unsere kostenlose Führung „Tierisches Welterbe Wasser“ statt – passend zum UNESCO-Welterbetag und zu Augsburg als Welterbestadt.

Unsere Seehunde nehmen euch gedanklich mit ans Wattenmeer, unsere Ibisse in die Everglades – und gemeinsam entdecken wir weitere faszinierende Welterbestätten, bei denen Wasser und Tierwelt eine besondere Rolle spielen.

Die Tour wird empfohlen ab 10 Jahren, der Treffpunkt ist am Tigergehege. Um eine Anmeldung unter 0821 / 56 71 49 35 oder an zooschule@zoo-augsburg.de wird gebeten.

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Seehund - Zoo Augsburg

Tierbestand
Tierbestand 2026 05 29
05 2026 Bild Jungvögel Bartkauz Peter Bretschneider

Jungvögel Bartkauz - Peter Bretschneider

05_2026 Bild Fukien Waldrebhuhn_ Peter Bretschneider

Waldrebhuhn - Peter Bretschneider

05 2026 Bild Jungtier Alpaka Zoo Augsburg

Jungtier Alpaka - Zoo Augsburg

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86161 Augsburg

Email: info@zoo-augsburg.de

Tel. 0821 567149-0
Fax. 0821 567149-13

Geschäftsführung:
Dr. Barbara Jantschke

Registergericht: Amtsgericht Augsburg HRB 6066