|
Liebe Freundinnen und Freunde des Augsburger Zoos,
nun sind die ersten drei Monate vorbei und ich nähere mich der populären 100-Tage-Grenze. Ich hatte bereits viele Gespräche, lerne den Zoo jeden Tag besser kennen und freue mich aber auch noch auf viele „erste Begegnungen und Gespräche“.
Im Griff hält uns, wie alle anderen auch, die Hitze und die Trockenheit. Als Zoologischer Garten merken wir die Auswirkungen sehr direkt. Nashörner, Löwen, Spornschildkröten und Co. sind an solche Temperaturen angepasst, während andere Tiere die Temperaturen ähnlich empfinden wie die Tierpflegerinnen und Tierpfleger, die sich um sie kümmern. Und dann versuchen wir ihnen durch gezielte Abkühlung und Beschattung die Gluthitze so angenehm wie möglich zu machen. Aber wir haben natürlich auch den Spagat zu schaffen, dass durch die Hitze weniger Besucherinnen und Besucher zu uns kommen und gleichzeitig Futtermittel teurer werden.
Wir wurden ausgezeichnet
Der Zoologische Garten Augsburg ist mit der „Nationalen Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet worden. Damit würdigen das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Deutsche UNESCO-Kommission das besondere Engagement des Augsburger Zoos für zukunftsorientierte Bildungsarbeit. Darüber freue ich mich und bin sehr dankbar. Wir haben hier im Zoo nicht nur ein sehr engagiertes Pädagogik-Team, das diesen Preis als Anerkennung für eine richtig gute Bildungsarbeit mehr als verdient hat, sondern Bildung ist im Themenspektrum Artenschutz einer der ganz wichtigen Schlüsselfaktoren. Daher bin ich sehr dankbar, dass wir als Zoo in dieser Thematik ausgezeichnet gut aufgestellt sind.
Besucherumfrage
Auch unsere Besucherinnen und Besucher haben uns ausgezeichnet. Bei einer Besucherumfrage kam heraus, dass unsere Besucherinnen und Besucher nicht nur selbst gerne wiederkommen, sondern uns auch gerne weiterempfehlen. Für uns bedeutet das, dass wir eine gute Basis haben, auf der wir uns weiterentwickeln können.
Ex-situ-Artenschutz muss gesellschaftlich und behördlich anerkannt werden
Ich finde es immer wieder erschreckend, dass der ex-situ-Artenschutz, also der Artenschutz außerhalb der Lebensräume, viel zu oft noch nicht anerkannt ist, obwohl sich Deutschland mit der Unterschrift der so genannten Rio-Konvention dazu verpflichtet hat und obwohl die internationale Naturschutzorganisation IUCN deutlich darauf hinweist, dass wir den ex-situ-Artenschutz bei der Überwindung des anthropogenen Artensterbens brauchen.
Gerade zeigt sich das in Deutschland beim Feuersalamander. Im Botanischen Garten der Stadt Bielefeld in NRW gab es die wahrscheinlich stärkste Population der Art in Deutschland. Bis Bsal, ein für Feuersalamander tödlicher Hautpilz, in den Botanischen Garten verschleppt wurde. Seitdem geht die Population dort stark zurück: Ausgang völlig offen. Vergleichbare Fälle zeigen eine extrem starke Dezimierung bis hin zu lokalen Ausrottungen. Daher hatte die Artenschutzorganisation Citizen Conservation, die auch von uns unterstützt wird, beantragt, 150 Larven der Natur zu entnehmen und eine Reservepopulation aufzubauen. Dies hat das Umweltamt der Stadt Bielefeld abgelehnt und verweist darauf, dass der Feuersalamander eine besonders geschützte Art nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist. Die Entnahme wird abgelehnt, weil „die Erfolgsaussichten derartiger, aufwändiger Ex-situ-Maßnahmen völlig ungewiss“ sind, und weil es „leider hinzunehmen sein [wird], dass einige Arten im Zuge der Veränderungen der Natur- sowie Kulturlandschaft verloren gehen.“
Das ist für mich ein erschreckender Offenbarungseid. Der Feuersalamander ist in Deutschland eine Art der nationalen Verantwortlichkeit. Die Aussage, dass wir es hinnehmen müssen, dass Arten eben aussterben, wenn sich Bedingungen ändern, wird dieser Verantwortung nicht gerecht. Vor allem nicht inmitten des anthropogenen Artensterbens, dessen Ursache in den durch uns herbeigefügten Veränderungen zu finden ist. Es ist richtig, dass die Erfolgsaussichten einer Reservepopulation ungewiss sind. Dafür wissen wir auch noch viel zu wenig über den Hautpilz. Das darf aber kein Grund sein, die Option Reservepopulation nicht in Betracht zu ziehen. Denn wenn die Population im Botanischen Garten Bielefeld verschwunden ist, dann ist so in jedem Fall eine Wiederansiedlung mit Tieren von diesem Standort unmöglich. auch verbaut man sich die Möglichkeit von bestandsstützenden Maßnahmen durch Auswildern von gezüchteten Tieren, was nachweislich einen positiven Effekt auf geschwächte Populationen haben kann und zusätzlich die genetische Diversität der Population vergrößert.
Ihr Philipp Wagner
|