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Geschichte des Augsburger Zoos

Dafür kam es aber in der aufblühenden Handwerker- und Patrizierstadt als internationalem Handelszentrum immer mehr zu Begegnungen mit exotischen Tieren, die natürlich in einer Zeit, als es noch keine Touristikfernreisen und interessante Fernsehberichte gab, enormes Aufsehen erregten. Wie mögen wohl die fleißigen Augsburger überrascht gewesen sein, als 802 mit einer berittenen Schutzwache ein mächtiger, männlicher Indischer Elefant mit Namen „Abul Abaz“ in ihrer Stadt eintraf. Er war ein Geschenk des Kalifen Harun al Raschid an Kaiser Karl den Großen, der ihn in unsere Stadt schickte, um hier für Freundschaft zu werben. Die tierpflegerischen Leistungen in so früher Zeit verdienen große Anerkennung. Das etwa 40jährige Rüsseltier überstand nicht nur den Marsch von der Kaiserpfalz Aachen nach Augsburg, sondern wurde sogar später noch als Kriegselefant gegen den dänischen König Göttrik eingesetzt, wobei er sich allerdings bei der Rheinüberquerung eine Lungenentzündung holte und verstarb.


Wasserbüffelanlage

Auch der Staufenkaiser Friedrich II. machte sich in Augsburg beliebt, als er nach seiner Krönung im Jahr 1220 in Palermo „wandernde zoologische Gärten“ zusammenstellte, die er von arabischen und kleinasiatischen Würdenträgern erhalten hatte, und solch eine Tierschau nach Augsburg schickte. Die Stadt revanchierte sich beim Kaiser: sie ließ 1594 durch Bartholomäus Welser sein berühmtes Buch „De arte venandi cum avibus“ („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“) drucken.


Tigeranlage

Schon 1410 setzte der Rat der Stadt zur Ergötzung der Bürger sechs Hirsche im Stadtgraben aus, der sich vom Roten Tor bis zum heutigen Königsplatz hinzog. Sie waren bei Verhängung hoher Strafen streng geschützt und hielten sich dort, bis sie in den Koalitionskriegen 1796 von den Franzosen abgeschossen wurden. 1474 erschien die erste lateinische Ausgabe über das Fangen und Erlegen von Vögeln, Fischen und Wild von Petrus Crescentiis bei Johann Schüßler in Augsburg. Nachdem der Portugiese Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckte und Augsburger Großkaufleute anschließend mehrere Übersee-Expeditionen sponserten, krächzten viele Papageien in Augsburg, die mit den Karavellen von Übersee in Europas Hafenstädte und auf dem Landweg in die Freie Reichsstadt kamen. Wie der Chronist von Perugia bemerkte, gehörte in dieser Zeit das Halten von exotischen Tieren wie das von Hofnarren und Sängern zur Pracht eines Herrn, zum standesgemäßen Luxus.


Robbenanlage

Wohl spielten Gewürze, Webwaren und Tierhäute bei den Exkursionen zu den Molukken, nach Afrika und Südamerika die dominierende Rolle, doch nebenher handelten die Herwarts, Welser und Fugger besonders zur Mitte des 16. Jahrhunderts immer wieder mit Affen, Papageien und Wildkatzen, so daß Anton Fugger sogar einen empörten Brief seiner Antwerpener Faktorei erhielt, er solle sie mit solchen Geschäften wie dem komplizierten Transport von afrikanischen Meerkatzen verschonen. Große Bedeutung hatte der Import von Elfenbein, Walroßzähnen und Schildpatt für die Augsburger Kunsthandwerker, die aus den wertvollen Materialien Ringe, Perlen, Kämme und andere Kleinode fertigten.Ebenso führte der rege Pelzhandel die Kürschnerei im Augsburg des 16. Jahrhunderts zu großem Aufschwung.


Raubvogelvoliere

Auch das geschäftstüchtige Kaufmannsgeschlecht der Welser machte durch Verwicklungen in den Handel mit exotischen Tieren von sich reden. König Manuel I. von Portugal hielt in seinem Hoftierpark brasilianische Affen und Aras. Aus seinem Tierbestand verkaufte er Meerkatzen, Affen und Papageien an den welserschen Handelsreisenden Lukas Rehm, die dieser dann seinem Chef nach Augsburg schickte. 1551 sah der Züricher Universalgelehrte Conrad Gesner erstmals einen jungerwachsenen männlichen Waldpavian aus Westafrika, den er 1553 als Ber- oder Affenwolf in seiner „Historia animalium“ beschrieb und darstellte. Diese Abbildung eines Mandrills ist wieder ein Zeugnis der guten Beziehungen der Augsburger Kaufleute zu ihren Faktoren auf der Iberischen Halbinsel und den damals überreich mit Tieren gesegneten Überseeregionen, von wo sie auf Karavellen importiert wurden.


Pinguinanlage

1566 wurde in der Fuggerstadt erstmals ein lebendes Krokodil gezeigt; 1584 brüllte hier anläßlich einer Jahrmarktveranstaltung der erste Löwe. Wohl hatte die durch ihr Kochbuch berühmte Philippine Welser durch die vielen Tierbegegnungen in Augsburg ihr Interesse an Exoten auf den Sohn Andreas von Österreich vererbt, der Fürstbischof in Konstanz war. Dieser ließ auf seiner Bodenseeinsel ein großes, heizbares Vogelhaus, einen Bärengraben, eine Hütte für ein Kamel und einen Löwenzwinger errichten.


Paviananlage

1626 sieht man auf dem berühmten Stadtplan von Wolfgang Kilian Schwäne und springende Hirsche. Fürstbischof Fugger stürzte sich in Unkosten, um Papageien und Kanarienvögel zur Erheiterung des Hofstaates zu halten. 1685 gab es in Augsburg eine wichtige Publikation auf dem Medizinsektor: die berühmte „Augsburger Castorologia“ von Marius, neuaufgelegt durch Johannes Frank. In diesem Buch werden die wundersame Bedeutung der Castoreum-Drüsen sowie die mannigfaltigen Heilkräfte nahezu sämtlicher Organe und Glieder des armen Bibers beschrieben. Castoreum wurde u.a. gegen Pest, Skorbut, Hypochondrie, Augenleiden und Magenblähungen eingesetzt. Augsburger Patienten, die erfolgreich mit „Biber“ behandelt wurden, werden namentlich aufgeführt. Sicherlich beschleunigte die Verbreitung derartiger Ammenmärchen nur die Ausrottung der einst bei uns recht häufig vertretenen braunen Holzfäller.


Löwenanlage

1710 wurde es in Augsburg gemütlich: Emanuel Hohenästel errichtete in der Annastraße das erste Kaffeehaus, nachdem der Augsburger Botaniker und Orientreisende Leonhard Rauwolf den Kaffee in Europa vorgestellt hatte. Spezialität Augsburger Kaffeehäuser waren zwitschernde Singvögel und krächzende Papageien, die in kostbaren, geschmiedeten Bauern an Seidenschnüren an die Zimmerdecke gezogen wurden. Daß dabei so mancher Kaffee seine besondere Geschmacksnote bekam, war sicher unvermeidbar. 1748 kam erstmals ein 8jähriges weibliches Panzernashorn in die Fuggerstadt. In seinem stabilen Käfig vertilgte das Ungetüm täglich 60 Pfund Heu und 10 Kilo Brot.


Löffelhundgruppe

Ständig tauchten fahrende Schausteller mit abgerichteten Affen, Bären, Raubkatzen und Vögeln auf. 1760 zeigte beispielsweise ein Tierbändiger einen zahmen Löwen, zusammengewöhnt mit einer Terrierhündin. Auch der Rat der Stadt ließ sich nicht lumpen und setzte nach den Erfolgen mit den Hirschen im Stadtgraben auch Schwäne auf großen Teichen und Lechkanälen aus. Die Begegnung Augsburgs mit exotischen Tieren förderte naturgemäß auch die Darstellung von ihnen durch Maler und bildende Künstler. Schätze in Museen sind heute die Bilder von Hans Burgkmair d. Ä., Tizian und Dürer. Der Augsburger Kupferstecher Jacob Hübner entdeckte den großen, bunten Nachtfalter „Augsburger Bär“ und stellte ihn mit anderen Schmetterlingen dar. Leider starb dieser Bärenspinner 1909 in Schwaben aus.


Elefantenanlage

Mit vielen vortrefflichen Zeichnungen kehrte Anfang des 19. Jahrhunderts Johann Moritz Rugendas von Expeditionen nach Mittel- und Südamerika zurück, genauso, wie früher Freiherr von Herberstain im Auftrage Kaiser Maximilians von Augsburg aus die Weiten Rußlands und des Kaukasus erforschte.


Hirschwiese

Der Raum in diesem Zooführer reicht einfach nicht aus, um diese vielfältigen Beziehungen zwischen Augsburger Überseehandel, Tierforschern und Tierkünstlern umfassend darzustellen. Derartige Tatsachen finden Sie in den Büchern „Tiere - Kaiser - Anekdoten“ , Vindelica-Verlag, ISBN 3-926275-00-6 und „Auf den Spuren der ersten deutschen Kaufleute in Indien“, ISBN 3-929720-01-9 dargestellt. Aber die Augsburger wollten nach der Errichtung des ersten Bürgerzoos der deutschen Geschichte durch Johannes Fugger endlich eine eigene Tierhaltung einrichten. Durch Beginn des ersten Weltkriegs scheiterte ein Tiergarten im Stadtgarten, später verfolgte der Leiter des Augsburger Stadtverbandes, Tiergartendirektor und Bürgermeister Dr. Ludwig Wegele, neue Ziele. Er schuf mit ungeheurer Zähigkeit einen Augsburger Heimattierpark.

Am 12. Juni 1937 konnte der „Park der deutschen Tierwelt“ eröffnet und in die Obhut des neugegründeten Vereins „Augsburger Tiergarten“ übergeben werden.


Braunbärengruppe

Eine Zeit der tierischen Idylle folgte nun: Die Biber gewöhnten sich an ihre Futterstunde, eine Wildpferdstute warf kurz nach der Eröffnung ein Fohlen, die Hirsche vermehrten sich und die Seehunde bekamen Zuwachs. Fliegerbomben setzten der jungen Einrichtung in ihrer stürmischen Entwicklung von 1943 bis 1945 ein jähes Ende. Gehege und Terrarien wurden bei Tages- und Nachtangriffen total zerstört, ein Tierpfleger verlor Frau und Kinder, der „Park der deutschen Tierwelt“ schloß.

Im Sommer 1946 wurde der Zoo trotz der Sorgen der Nachkriegszeit wiedereröffnet, und am 1. August 1947 übernahm Prof. Dr. Steinbacher, der ehemalige Direktor des Frankfurter Zoos, die Tiergartenleitung. Mit starker Willenskraft beseitigte er die starken Kriegsschäden und brachte wieder Tiere in den Zoo. Energisch trieb er die Aufbauarbeiten voran, die Augsburger Bürger entschieden sich nach einer Befragung für die Anschaffung von exotischen Tieren.

Elefanten, Paradiesvögel und Zebras erfreuten die Besucher. Nach langjähriger, verdienstvoller Tätigkeit trat Prof. Steinbacher 1978 in den wohlverdienten Ruhestand. Der Verfasser dieser Zeilen und seine Mitarbeiter, Architekten und Baufirmen setzten der beliebtesten naturwissenschaftlichen Bildungseinrichtung Bayerisch-Schwabens neue tiergärtnerische Akzente. 1980 wurden das Reptilienhaus und der Streichelzoo „Kinderland“ eröffnet, 1981 bauten Berufsschüler mit Fachkräften den neuen Nandu-/Alpakastall, 1982 wurde die 3 ha große Hirschwiese mit Hilfe der Stadt und der Staatsregierung zum herrlichen „Afrika-Panorama“ umgestaltet und 1985 anläßlich der 2000-Jahr-Feier eröffnet. 1983 entstand die Muntjak- und Biberanlage. 1986 konnte unter Einbeziehung des alten Zebra-Geheges die neue Elefantenfreianlage mit Swimmingpool für die Dickhäuter vorgestellt werden. Es folgte der Bau des modernen Eingangs am Brehmplatz. Von 1989 bis 1995 entstanden Tropenhalle, zwei Raubtierhäuser und drei Bergtieranlagen. Inzwischen wird der wunderschöne Tierpark von über 2000 Tieren aus aller Welt bevölkert, und die Bürger unserer Stadt und ihrer Umgebung danken die Anstrengungen der letzten Jahre mit regem Besuch und starker Anteilnahme.

 
 

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